Ein Blick auf den Waldboden kann zu einer Reise in die Vergangenheit werden. Unter unseren Füßen liegen Spuren früherer Landwirtschaft, der Arbeit von Köhlern und anderer Nutzungseinflüsse auf den Wald. Ein Boden, der Geschichte bewahrt, wird auch als Archivboden bezeichnet und wurde unter der Schirmherrschaft des Landes Hessen zum „Boden des Jahres 2026“ gekürt.
Am Samstag, 19. September, begeben sich Experten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt gemeinsam mit Achim Frede, Leiter der Abteilung Naturschutz, Forschung und Planung im Nationalpark auf die Spuren vergangener Landnutzung und erkunden Köhlerplatten, Ackerterrassen und das Naturwaldreservat Locheiche. Die Exkursion führt von 14 bis 18 Uhr entlang der Locheiche-Route ab dem Nationalpark-Eingang Heinrichshütte bei Edertal-Gellershausen.
Was heute wie ein gewöhnlicher Waldboden aussieht, kann erstaunlich viel über die Vergangenheit erzählen. Die erhaltenen Spuren zeugen davon, wie Menschen die Landschaft einst prägten. Auf der Exkursion wird der Boden so zum Archiv der Landschaft und macht Natur- und Kulturgeschichte unmittelbar erlebbar.
Doch der Blick der Fachleute reicht weit über die Spuren vergangener Zeiten hinaus – bis in die Gegenwart und Zukunft des Waldes. Was verraten die Böden darüber, wie historische Landnutzung die Entwicklung des Waldes bis heute prägt? Welche Spuren haben „Saurer Regen“ und Stickstoffeinträge im Boden hinterlassen und was bedeuten sie für die Wälder im Klimawandel? Wie verändert sich der Wald, wenn natürliche Prozesse wieder mehr Raum gewinnen?
Antworten darauf lassen sich unmittelbar am Boden ablesen. Anhand von Bodenprofilen und Messdaten der Versuchsanstalt aus dem Naturwaldreservat wird sichtbar, wie sich die unterschiedlichen Einflüsse im Boden niederschlagen und welche Wege die Waldentwicklung einschlagen kann.
„Wer genau hinschaut, entdeckt im Nationalpark nicht nur alten Wald, sondern auch die Spuren der Menschen, die diese Landschaft über Jahrhunderte geprägt haben“, erläutert Frede. „Der Boden hilft uns, die Geschichte und die weitere Entwicklung des Waldes besser zu verstehen.“
Interessierte melden sich bitte telefonisch unter 05621 9040-0 oder per E-Mail über info@nationalpark.hessen.de zur Exkursion an. Wetterfeste Kleidung und robustes Schuhwerk werden empfohlen.
Hintergrund:
Um die Öffentlichkeit für den Wert und die Gefährdung der begrenzten Ressource Boden zu sensibilisieren, kürt das Kuratorium „Boden des Jahres“ seit 2005 jährlich eine besondere Bodenart. In diesem Jahr ist die Wahl auf den Archivboden gefallen, für den Ingmar Jung, Hessischer Minister für Landwirtschaft, Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, die Schirmherrschaft übernimmt.